Der unsichtbare Faden
Wer sucht, was glänzt im hellen Tag,
greift oft nach leerem Schein.
Die größte Kraft, die niemand sah,
will still im Schatten sein.
Sie ist kein Stein, den man besitzt,
kein Schloss aus schwerem Glas –
sie ist der Funke, der erhitzt,
was gestern noch vergas.
Zwei Wanderer im tiefen Wald,
jeder sucht sein eignes Licht.
Der eine geht im Winde kalt,
der andre sieht ihn nicht.
Doch wer des Bruders Spuren liest
und teilt den warmen Mantel schwer,
merkt, wie ein Strom zusammenfließt,
wo vorher Ödnis wär‘.
Man hält sie fest, indem man lässt,
sie wächst, wenn man sie teilt.
Sie baut sich selbst ein sichres Nest,
wenn man ihr nicht ereilt.
Ein Rätsel, das im Schweigen spricht
und ohne Fesseln bindet –
wer sucht, der sieht die Spuren nicht,
doch wer verliert, der findet.